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Bewertung von Musikstimuli im Vergleich von Patienten und Nichtpatienten - Eine Studie im klinisch-diagnostischen Kontext einer KJP

Zeitschrift: Die Psychodynamische Psychotherapie
ISSN: 1618-7830
Thema:

Psychotherapeutische Kompetenz

Ausgabe: 2009 (Vol. 8): No. 3
Seiten: 147-156

Bewertung von Musikstimuli im Vergleich von Patienten und Nichtpatienten - Eine Studie im klinisch-diagnostischen Kontext einer KJP

Ulrike Gauer

Stichworte

Bewertung von Musikstimuli, psychische Störung und Emotion, Musik und Emotion, diagnostisches Screening

Zusammenfassung

Die Studie überprüft, ob sich Patienten mit psychischen Störungen von gesunden Kindern und Jugendlichen hinsichtlich der Bewertung differenzieller Musikstimuli unterscheiden und inwieweit sich in den ermittelten Unterschieden diagnostisch relevante Aspekte abbilden. Es wurden 68 Patienten, die die Kriterien einer ICD- 10-Diagnose erfüllten, mit einer altersentsprechenden Stichprobe von 586 Schülern verglichen. Die Erfassung der Bewertungsunterschiede erfolgte unter Einsatz emotionsspezifischer Musikstimuli (traurig – fröhlich – uneindeutig) und eines Polaritätenprofils. Die höchste Anzahl signifikanter Varianzunterschiede ergab sich für die traurig konnotierte Musik. Sie verwiesen auf eine erhöhte Anspannung, Erregung und Intensität der Wahrnehmung bei den Patienten sowie auf eine negativere Beurteilung. Der fröhlich anmutende Hinweisreiz wurde ambivalenter beurteilt. Die Reaktionen auf den im Ausdruck uneindeutigen Musikstimulus unterschieden sich lediglich durch eine verminderte aggressive Attribuierung durch die Patienten. Die Ergebnisqualität verweist auf einen substanziellen diagnostischen Nutzen der Erfassungsinstrumente, der sich durch Datentriangulation erhöhen lässt. Wünschenswert ist die Entwicklung wahrnehmungssensitiver musikbezogener Screening-Instrumente zur Erfassung pathologieabhängiger Besonderheiten kinder- und jugendpsychiatrischer Patienten.