Aktuelles aus dem Buchverlag

Resilienz: Der Wir-Faktor

Gemeinsam Stress und Ängste überwinden.

Warum fühlen wir uns in einer Welt, die objektiv immer sicherer wird, immer unsicherer und gestresst? In seinem Buch „Resilienz: Der Wir-Faktor“ (Schattauer Verlag, Stuttgart. 2017) geht der Schweizer Stress-Forscher Gregor Hasler der Frage nach, was uns in die Stress-Krise geführt hat – und zeigt auf, wie wir wieder herausfinden können. Anhand zahlreicher Beispiele aus seiner Praxis als Psychotherapeut und Coach veranschaulicht Hasler, wie jeder Einzelne seine Widerstandskraft stärken kann und welche entscheidende Rolle dabei die Gemeinschaft spielt.

Im Interview gibt Gregor Hasler u.a. konkrete Tipps, wie man seine Resilienz stärken kann.

 

Warum wird Resilienz, die psychische Widerstandskraft, in der heutigen Zeit akut zum Thema?

Hasler: Weil sie bei immer mehr Menschen in die Krise gerät. Wir beobachten, dass die Bevölkerung der westlichen Industriestaaten zunehmend gestresst ist, dass sich bei uns Ängste und chronische Erschöpfung ausbreiten wie eine Epidemie.

Warum ist das so? In Ihrem Buch „Resilienz: Der Wir-Faktor“ nennen Sie „Bedeutungsverlust“ als eine Hauptursache der Misere. Was hat es damit auf sich?

Hasler: Es gibt Studien, die zeigen, dass die Stress-Resilienz eines Menschen stark von der Fähigkeit abhängt, seinem Leben Bedeutung zu geben. In den letzten Jahrtausenden haben vor allem Monarchien und Religionen stabile Bedeutungssysteme aufrechterhalten. Seit diese weggefallen sind beziehungsweise an Überzeugungskraft verloren haben, leiden viele Menschen unter dem damit einhergehenden Verlust an Bedeutung. Ersatz-Faktoren wie beispielsweise Geld, haben nur eine vergleichsweise schwache Resilienz-Wirkung, es ist also dauerhaft eine Mangelsituation entstanden. In Kombination mit sozialer Desintegration und einem Status-Dauerkampf führt Bedeutungsverlust zum Zerfall der Resilienz.

Sie schreiben, dass heute vor allem Arbeit und soziale Beziehungen unsere Resilienz stärken. Ist der Aspekt Arbeit nicht relativ oberflächlich, und wird er außerdem in den Industriestaaten nicht immer problematischer?

Hasler: Nicht immer. Eine gute berufliche Stellung kann die Resilienz maßgebend stärken. Aber für viele Menschen ist das soziale Netz am Arbeitsplatz oberflächlich und wenig unterstützen. Das macht soziale Beziehungen außerhalb des Berufs, das aktive Leben in Gemeinschaft, zur wichtigsten Quelle von Bedeutung. Deshalb spreche ich bei der Resilienz ja auch vom „Wir-Faktor“.

Kann trotzdem auch jeder Einzelne seine Resilienz stärken? Was kann man individuell tun?

Hasler: So komplex das Thema Resilienz ist, so zahlreich sind unsere Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Eine Liebesbeziehung zu führen beispielsweise fördert Resilienz, weil unter anderem liebevolle Berührungen, die die Partner austauschen, ihre Resilienz stärken. Man kann in Hinblick auf den Zustand seiner Resilienz grundsätzlich bewusster leben. Beispielsweise empfehle ich, bei einem geplanten Umzug abzuwägen, wie hoch der Resilienzverlust sein wird, weil Freunde zurückbleiben und langjährige Nachbarschaften verloren gehen. Wir können auch lernen, unserer Faszination für das Negative zu widerstehen. Mein Rat diesbezüglich: Wer seine Resilienz nicht unnötig schwächen will, sollte von negativen Informationen, die ihn nicht betreffen und an deren Sachverhalt er nichts ändern kann, wegfokussieren. In meinem Buch gebe ich zahllose Beispiele dafür, was jeder tun kann, um seine Resilienz zu stärken, beziehungsweise was er eher vermeiden sollte, um sie nicht zu schwächen.

Und was können wir auf gesellschaftlicher Ebene tun?

Hasler: Wir können zum Beispiel Strukturen schaffen, die soziales Miteinander fördern statt Konkurrenz. Das stärkt dann die Resilienz vieler. Und wir können unsere Kinder so erziehen, dass sie das Leben in all seinen Facetten kennen lernen dürfen – auch die unangenehmen und nach Einschätzung überfürsorglicher Eltern „viel zu gefährlichen“ Seiten. Das lässt sie mit starker Resilienz ins Leben gehen.

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Hier geht es zum Vortrag von Professor Hasler, den er am 23. August 2017 im Psychiatrie Zentrum Münsingen bei Bern gehalten hat. Bei der Weiterbildung für PsychiaterInnen, PsychotherapeutInnen, Sozialarbeitende und Pflegepersonal hat er sein aktuelles Buch „Resilienz: Der Wir-Faktor“ vorgestellt. 

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