Psychologen in der Psychiatrie: Geschichte der Klinischen Psychologie in der Bundesrepublik Deutschland

 

Die Entwicklung der modernen Psychiatrie und der Klinischen Psychologie ist – zumindest in Teilen – eng miteinander verzahnt. Psychische Störungen entwickeln sich häufig aus normalpsychologischen Phänomenen und lassen sich nur vor dem Hintergrund der Lebens- und Lerngeschichte des Betroffenen verstehen. Zu deren Behandlung werden deshalb psychologische Mittel hinzugezogen. Lara Rzesnizek vom Institut für Geschichte und Ethik in der Medizin der Charité Berlin zeichnet in einem Artikel in der Zeitschrift „Nervenheilkunde“ (Schattauer Verlag) den Weg der klinischen Psychologie vom zweiten Weltkrieg bis Anfang der 1970er Jahre nach. 

Noch während des Zweiten Weltkrieges war 1941 mit der Einrichtung des Psychologie-Diploms der Weg für die Professionalisierung der klinischen angewandten Psychologie geebnet worden. In der Nachkriegszeit gab es, wie der Psychologe Carl Graf Hoyos in seiner Denkschrift zur Lage der Psychologie 1964 schrieb, nur eine kleine Zahl „diagnostische Hilfsdienste“ leistende „Psychologen in der Klinik“ an Psychiatrischen Kliniken, Landeskrankenhäusern oder Heimen. In den 1960er- und 1970er-Jahren wandelte sich das Berufsbild zum „behandelnden“ Psychologen in Beratung und Therapie. In ihrem Artikel zeigt Rzesnitzek auf, wie sich die Expertise der Psychologie in der akademischen Psychiatrie entfaltet hat und schließlich zum curricularen Bestandteil des Medizinstudiums in Form der medizinischen Psychologie wurde: „Zur universitären Verankerung der klinischen Psychologie innerhalb der philosophisch oder mathematisch/-naturwissenschaftlichen und schließlich an den medizinischen Fakultäten führte ein Wechselspiel von einerseits amerikanischen Einflüssen mit einem Trend zur Psychometrie, neuen psychologischen Theorien oder experimentellen Verfahren und andererseits wissenschafts- sowie gesellschaftspolitischen Entscheidungen“, erklärt sie. „Die Rolle der klinischen Psychologen in der Klinik wandelte sich über die 1950er- und 1960er-Jahre von ‚Hilfskräften‘ des Arztes in der Diagnostik langsam zu ‚Kollegen‘ auch auf dem Gebiet der Psychotherapie. Als Medizinische Psychologie wurde die Psychologie gar zur ‚Lehrerin‘ der Ärzte“, so die Autorin.

L. Rzesnitzek: Zur Geschichte der Klinischen Psychologie in der Bundesrepublik Deutschland bis Anfang der 1970er-Jahre. „Nervenheilkunde“ 2017 Vol. 36 Heft 10: Seite S. 789-792.

Mehr zur Zeitschrift: 

Die „Nervenheilkunde“ ist eine Fort- und Weiterbildungszeitschrift für Neurologen, Psychiater, Nervenärzte und Hausärzte. Ziel ist neben der Weitergabe aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, praxistaugliche Informationen zu vermitteln, die zur besseren Versorgung von Patienten mit neurologischen und psychiatrischen Störungen beitragen. Regelmäßig werden Empfehlungen oder Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft sowie der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke veröffentlicht.

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