Die gesellschaftliche Verantwortung von Psychiatern und Psychotherapeuten im multikulturellen Europa

Der globale Umbruch, die weltweiten Migrationsbewegungen und die damit verbundenen kulturellen Veränderungen führen bei vielen Menschen zu Ängsten, Aggressionen und Vorurteilen. Zwischenmenschliche Probleme sind ein besonderes Kennzeichen dieser Umbruchszeit. Hamid Peseschkian, Institutsleiter der Wiesbadener Akademie der positiven Psychotherapie, sieht Psychiater und Psychotherapeuten als Beziehungsexperten und Fachleute für seelische Gesundheit. In dieser Funktion seien sie in besonderem Maße gefordert: In seinem Artikel in der Zeitschrift „Nervenheilkunde“ (Schattauer Verlag) fordert er sie auf, den „Prozess der transkulturellen Globalisierung“ aktiv mitzugestalten und therapeutische Einsichten in die Bevölkerung hineinzutragen. 

„Diese kulturelle Krise bietet Psychiatern und Psychotherapeuten eine einmalige Chance“, so Peseschkian. Sie können Missverständnisse beseitigen, Verständnis für Menschen aus anderen Kulturen schaffen und Vorurteile und Ängste abbauen helfen. Dabei steht für ihn die Aufklärung der Bevölkerung über psychologische Mechanismen und gesellschaftliche Prozesse im Vordergrund: Wie funktionieren die Grundlagen der Kommunikation? Welches Bedürfnis hat der Mensch nach Identifikation und Zugehörigkeit? Wie entstehen Ängste? So sollen Brücken zwischen Menschen gebaut werden, die einander fremd sind.

Aufgrund ihrer Einsichten in das menschliche Er- und Zusammenleben sind Psychiater und Psychotherapeuten, laut Peseschkian, für ein gesellschaftspolitisches Engagement prädestiniert: „Durch die Förderung einer transkulturellen Kompetenz können sie sich und andere dazu befähigen, die derzeitige Umbruchsituation als Chance hin zu einer globalen Gesellschaft zu verstehen und aktiv an deren Gestaltung mitzuwirken. Hierzu müssen Psychiater und Psychotherapeuten jedoch ihre Komfortzone verlassen, öffentlich Stellung nehmen und sich gesellschaftspolitisch neben ihrer beruflichen Tätigkeit mehr engagieren“, fordert er. 

H. Peseschkian: Transkulturelle Globalisierung: Über die gesellschaftliche Verantwortung von Psychiatern und Psychotherapeuten als Pioniere, Aufklärer und Brückenbauer im heutigen multikulturellen Europa. „Nervenheilkunde“ 2017 Vol. 36 Heft 8: 608-615

Mehr zur Zeitschrift: 

Die „Nervenheilkunde“ ist eine Fort- und Weiterbildungszeitschrift für Neurologen, Psychiater, Nerven- und Hausärzte. Ziel ist neben der Weitergabe aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, praxistaugliche Informationen zu vermitteln, die zur besseren Versorgung von Patienten mit neurologischen und psychiatrischen Störungen beitragen. Regelmäßig werden Empfehlungen oder Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft sowie der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke veröffentlicht.

Weitere Informationen zur Zeitschrift finden Sie Opens external link in new windowhier.

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